Projekte

Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Mertonstraße 17-21, Jügelhaus, 3.OG, D-60325 Frankfurt am Main

Zimmer: 327 C
Telefon: 069 / 7542 - 1879 (Mitt - Fr)
Fax: 069 / 7542 - 1800

Institut für Ökologie, Evolution & Diversität, Abteilung Ökologie und Geobotanik
Max-von-Laue-Str. 13, D-60438 Frankfurt am Main

Zimmer: C 1.319
Telefon: 069 / 798 - 42137 (Mo & Die)
Fax: 069 / 798 - 42131
E-Mail: b.kunz (at) bio.uni-frankfurt.de

Mein Forschungsinteresse gilt v.a. den Interaktionen zwischen Tieren und Pflanzen, insbesondere der Samenausbreitung und Samenprädation und deren Auswirkungen auf die Regeneration von Pflanzengemeinschaften. Der Fokus meiner Projekte liegt dabei zum einen auf der primären Samenausbreitung von Gehölzpflanzen durch Frugivore und der sekundären Samenausbreitung durch Dungkäfer, zum anderen aber auch zunehmend auf der Ausbreitung von Gräsern und Kräutern durch Herbivore.

© Arne Erpenbach

Samenausbreitung durch Antilopen in West Afrika (in Vorbereitung)

Derzeit ist ein Projekt in Planung, das die Rolle verschiedener Antilopenarten bei der Samenausbreitung von Gräsern und Kräutern in West Afrika untersuchen wird.
Obwohl seit langem bekannt ist, dass große Herbivore regelmäßig beachtliche Mengen keimfähiger Samen verschiedenster Gräser und krautiger Pflanzen endozoochor ausbreiten, weiß man über den evolutionären und ökologischen Kontext dieser Pflanzen-Herbivoren Interaktion bislang nur wenig. Dies gilt insbesondere für Afrikanische Savannenökosysteme, in denen die größte Artenvielfalt und Biodiversität großer Herbivorer beheimatet ist.
Die Untersuchungen werden in einem Forschungsverbund zu den Themenkomplexen Savannenökosysteme und Tier-Pflanzen-Interaktionen am Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BIK-F) und der Goethe-Universität Frankfurt integriert sein.

© O. Tackenberg

Samenausbreitung und Klimawandel : Die Bedeutung herbivorer Säugetiere  für den Erhalt der Biodiversität in temperaten Wäldern (seit September 2011)

In Kooperation mit 'WisentWelt Wittgenstein', Dr. Jörg Tillmann

Untersuchungsgebiet: Rothaargebirge, Kreis Wittgenstein

Das Projekt untersucht den Einfluss verschiedener großer Herbivorenarten auf die Samenausbreitung von Pflanzen temperater Wälder. Der Fokus liegt auf dem größten mitteleuropäischen Rauhfutterfresser, dem Wisent (Bison bonasus), der erstmalig in Deutschland wiederangesiedelt wird. Die Rolle des Wisents für die Samenausbreitung wird in Vergleich gesetzt zu anderen, im Gebiet vorkommenden  Herbivorenarten: Reh (Caprioulus capriolus), Rothirsch (Cervus elaphus) und Mufflon (Ovis aries).
Ziel des Projektes ist es zu analysieren, ob die Tiere keimfähige Samen ihrer jeweiligen Nahrungspflanzen in geeignete Habitate zur Keimlingsetablierung ausbreiten und in welchem Maße sie dazu beitragen können, die unter dem Klimawandel vorhergesagten Arealverschiebungen von Pflanzenarten temperater Wälder zu realisieren. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf den Einfluss der Tiere auf Pflanzenarten der Europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und auf ein im Untersuchungsgebiet vorhandenes FFH-Gebiet gelegt.
Die Untersuchungen sind in einen Forschungsverbund am Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BIK-F) und der Goethe-Universität Frankfurt zu den Themen 'Biotische Interaktionen' und 'Temperate Wälder' integriert.

© Madlen Ziege

Samenausbreitung durch Wildkaninchen im städtischen Grünbereich in Frankfurt am Main (seit Mai 2011)

In Kooperation mit Dr. Martin Plath, Madlen Ziege (Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Abt. Prof. Dr. Bruno Streit)

Untersuchungsgebiet: Stadtgebiet Frankfurt am Main

Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) sind mittlerweile in fast allen Grünanlagen Frankfurts anzutreffen. Welche Rolle sie für die Samenausbreitung der Pflanzen in diesen städtischen Ökosystemen spielen ist aber bislang unerforscht. In einer ersten Erhebung ermitteln wir den Anteil der durch die Kaninchen endozoochor ausgebreiteten Pflanzensamen und vergleichen verschiedene Ausbreitungsmuster. Zudem analysieren wir, welche Pflanzenarten epizoochor durch die Kaninchen ausgebreitet werden können. Endo- und epizoochor ausgebreitete Pflanzenarten werden hinsichtlich ihrer morphologischen Pflanzen- und Diasporeneigenschaften charakterisiert. Mithilfe des Prozess-basiertes Simulationsmodells SEED wollen wir das räumliche Muster und die Dichte der durch die Kaninchen ausgebreiteten Samen innerhalb des Untersuchungsgebietes vorherzusagen. Langfristig ist geplant, die Rolle der Kaninchen als Samenausbreiter in städtischen Grünanlagen und naturnahen  Flächen zu vergleichen.

© Britta Kunz

Samenausbreitung und Pflanzenregeneration im Wald-Savannen-Mosaik Nigerias (seit 2008)

In Kooperation mit Prof. Dr. Volker Sommer (University College London, UK),
Dr. Caroline Ross (University of Roehampton, UK),
Dr. Frank-Torsten Krell (Denver Museum of Nature and Science, USA),
'Gashaka Primate Project' und University of Yola (Nigeria)

Untersuchungsgebiet: Gashaka Gumti Nationalpark (GGNP), Ost-Nigeria

Im GGNP untersuchen wir die Samenausbreitung und intraspezifische Fruchtwahl nach morphologischen Merkmalen (insbesondere Samengröße) bei habituierten Anubispaviane, sowie deren Einfluss auf die Pflanzenregeneration. Die Untersuchungen bauen auf einer früheren Studie im Comoé Nationalpark (CNP) in der Elfenbeinküste auf (Details zur Studie im CNP siehe weiter unten: abgeschlossene Projekte).
Das Klima im
GGNP in Nigeria ist wesentlich feuchter und der Waldanteil höher als im CNP in der Elfenbeinküste, sodass wir wesentliche Unterschiede in der Nahrungsverfügbarkeit und dadurch auch in der Nahrungswahl zwischen den beiden Pavianpopulationen erwarten.
Eine Pilotstudie zur sekundären Samenausbreitung durch Dungkäfer (Scarabaeidae) ergab eine hohe Dungkäferabundanz an Pavianfäzes bei unterschiedlicher Gildenzusammensetzung im Vergleich zur Elfenbeinküste.

© Abigail Grassham

Der Einfluss der Grünen Meerkatze auf die Struktur von montanen Wäldern in West Afrika 
(seit 2009)

In Kooperation mit Dr. Hazel Chapman (University of Canterbury, Neuseeland)
und dem
'Nigerian Montane Forest Project'

Untersuchungsgebiet: Ngel Nyaki Forest Reserve, Ost-Nigeria

Das Untersuchungsgebiet an der Grenze zu Kamerun umfasst einerseits Relikte montanen Waldes und andererseits montanes Grasland. In einer Masterarbeit untersuchen wir derzeit die Nahrungszusammensetzung und Habitatnutzung der Grünen Meerkatze (Cercopithecus aethiops tantalus) sowie ihre Rolle bei der Ausbreitung von Pflanzensamen in verschiedene Habitattypen.

Abgeschlossene Projekte

© Britta Kunz

Frugivorie und Samenausbreitung: Ökologische Interaktionen zwischen Pavianen, Gehölzpflanzen und Dungkäfern im Savannen-Wald Mosaik West Afrikas (abgeschlossen 2009)

Doktorarbeit; Universität Würzburg (Prof. Dr. K. Eduard Linsenmair)
In Kooperation mit Dr. Frank-Torsten Krell (Denver Museum of Nature and Science, USA)

Untersuchungsgebiet: Comoé Nationalpark (CNP), nordöstliche Elfenbeinküste

Die bislang kaum untersuchten westlichen Populationen des Anubispavians (Papio anubis) unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von ihren besser erforschten Artgenossen im östlichen Afrika. Die Gruppengrößen im CNP waren, mit im Mittel 15 Individuen pro Gruppe, ungewöhnlich klein (max. 44 Individuen, N = 10 Gruppen). Der Anteil der Gruppen, in denen nur ein adultes Männchen vorkam, war dagegen außergewöhnlich hoch (50-63 %). Im CNP konsumieren die Anubispaviane große Fruchtmengen verschiedener Pflanzenarten mit unterschiedlichen Fruchttypen und Fruchtgrößen. Sie breiten intakte Samen von mind. 22% der Gehölzpflanzenarten des regionalen Artenpools aus. Da die meisten Gehölzpflanzenarten im Untersuchungsgebiet mittelgroße bis große Früchte und Samen produzieren ist der Anubispavian von entscheidender Bedeutung für die Samenausbreitung und die Regeneration der Gehölzpflanzen in diesem Ökosystem, insbesondere da andere große Frugivore dort selten geworden sind. Die Untersuchungen zeigten jedoch auch, dass Paviane ebenfalls eine wichtige Rolle für die Ausbreitung kleiner Pflanzensamen spielen können. Als Habitatgeneralisten (mit einer Präferenz für Wald) mit vergleichsweise großem Aktionsradius sind sie besonders wichtig für den Austausch von Samen zwischen entfernt gelegenen Waldinseln.
Dungkäfer
(Scarabaeidae) sind wichtige sekundäre Samenausbreiter und im CNP besonders zu Anfang und gegen Ende der Regenzeit aktiv. Die Samen aller Gehölzpflanzenarten, die von den Pavianen zu diesen Zeiten primär im Dung ausgebreitet werden können durch telekopride und parakopride Dungkäfer (Roller und Tunneler) sekundär weiter ausgebreitet und vergraben werden. Die großen Unterschiede zwischen Wald und Savanne in der Abundanz und in der Gildenzusammensetzung der Dungkäfer lassen darauf schließen, dass in die Savanne ausgebreitete Samen von Savannenpflanzen und Habitatgeneralisten am meisten von der sekundären Ausbreitung durch Dungkäfer profitieren.

© Philipp Schiefenhövel

Autobahnunterführungen als Querungsmöglichkeit für Wildtiere (abgeschlossen 2009)

In Kooperation mit Philipp Schiefenhövel / Will & Liselott Masgeik-Stiftung für Natur- und Landschaftsschutz

Untersuchungsgebiet: Westerwald, Deutschland

Mithilfe von Substratbetten und Infrarotkameras untersuchten wir die Nutzung unterschiedlich gestalteter Autobahnunterführungen durch Wildtiere im Frühjahr 2009. Die Erfassungen zeigten, dass die Breite des Bauwerks positiv und die menschliche Nutzung und die Versiegelung der Umgebungsfläche negativ mit der Anzahl querender Wildtieraten korreliert sind. Straßen- und Wirtschaftswegunterführungen spielen besonders für Beutegreifer wie Fuchs, Dachs, Marder und Wildkatze als Querungsmöglichkeit eine entscheidende Rolle und sollten in der Bewertung von Zerschneidungseffekten durch Autobahnen stärker berücksichtigt werden.